Zwei hohe Industrieschornsteine stoßen weißen Rauch gegen einen klaren blauen Himmel aus, und in der unteren rechten Ecke ist ein Teil eines modernen Fabrikgebäudes zu sehen.
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Satte Gewinne durch hohe Energiepreise

Artikel im Alt-/Neuöttinger Anzeiger vom 01.11.2022

Müllheizkraftwerk verdient gut an Dampf und Strom – CO 2 -Steuer könnte zu Gebührenerhöhung führen

Burgkirchen. Der ZAS (Zweckverband Abfallverwertung Südostbayern) gehört zu den Gewinnern der Energiekrise. Das zeigten die Geschäftsberichte, die in der Werksausschusssitzung am vergangenen Donnerstag vorgestellt wurden. Allerdings kann sich das schnell ändern, da eine Übergewinn-Abschöpfung droht und ab 2024 die CO2-Steuer erheblich zu Buche schlagen könnte.

Die Verbandsräte tagten im Verwaltungsgebäude des Müllheizkraftwerks Burgkirchen unter dem Vorsitz von Landrat Erwin Schneider und hörten im ersten Punkt den Zwischenbericht für das zweite Halbjahr 2021. Erläutert wurde dieser durch den kaufmännischen Werksleiter Robert Moser.

Er stellte fest, dass die Müll-Anliefermengen der sieben Mitglieds-Landkreise gegenüber dem Vorjahr um knapp 3000 Tonnen zurückgegangen sind (ein Minus von 1,72 Prozent), was vor allem an der Einführung der Biotonne im Landkreis Traunstein lag. Die sonstigen Anliefer-Mengen stiegen um 500 Tonnen. Insgesamt verzeichnete der ZAS letztes Jahr die zweithöchste Anliefermenge seit Inbetriebnahme der Anlage – und das trotz zweier Revisionsarbeiten an den Öfen.

Umsatzerlöse stiegen auf rund 35 Millionen Euro

Die Umsatzerlöse bei den Mitgliedern sanken infolge einer Verringerung des Anlieferungs-Entgelts um fünf Euro pro Tonne auf rund 7,9 Millionen Euro. Das dickste Plus von fast fünf Millionen Euro gab es durch die Dampflieferung, da der Dampfpreis an den Gaspreis gekoppelt ist, welcher bereits vergangenes Jahr kletterte. Insgesamt stiegen die Energieerlöse von 3,9 auf 9,6 Millionen Euro und die gesamten Umsatzerlöse um fast fünf Millionen Euro auf nunmehr 34,2 Millionen Euro.

Auf der Ausgabenseite stehen die Aufwendungen für Material, den Betrieb und das Personal. Hier gab es 2021 einen Anstieg von 30,6 auf knapp 34,6 Millionen Euro. Ursachen sind vor allem die in die Höhe schnellenden Kosten für Strom, Gas und Ammoniakwasser. Moser sprach dennoch von einer „erfreulichen Entwicklung“, die sich in einem Jahresfehlbetrag von „nur“ 6,54 Millionen Euro zeige. Im Wirtschaftsplan war man von deutlich mehr ausgegangen, nämlich rund 14,67 Millionen Euro. Der Fehlbetrag wird durch die allgemeine Rücklage des ZAS ausgeglichen.

Nachdem alle Zahlen für 2021 bekannt waren, konnte der Geschäftsbericht mit Jahresabschluss formell festgestellt und die Verwaltung entlastet werden.

Im Anschluss gab es den Zwischenbericht über das erste Halbjahr 2022. Hier sanken die Anliefermengen der Verbandsmitglieder um rund 1800 Tonnen, während die gesamte Menge um knapp 3000 Tonnen stieg. Man konnte aber schon feststellen, dass die coronabedingt hohen Müllmengen zurückgegangen sind. Unter dem Strich erhöhte sich das in Burgkirchen verbrannte Material um rund zwei Prozent. Die Anlage ist weiterhin hoch ausgelastet.

Bei den Umsatzerlösen machen sich heuer die enormen Energiepreise bemerkbar: Gegenüber dem Vorjahr stiegen die Einnahmen für Dampf um fast sechs Millionen Euro an, beim Strom um mehr als vier Millionen. In beiden Fällen ist das annähernd eine Vervierfachung. „Eigentlich traurig, denn wir profitieren vom Krieg in der Ukraine“, bemerkte der Werksleiter. Insgesamt haben sich die Energieerlöse um 330 Prozent verbessert. Aber auch die Erträge aus Müllanlieferungen sind um 2,7 Prozent geklettert und Gendorf steigerte seine Dampf-Abnahme um 15683 Tonnen.

So ergibt sich im ersten Halbjahr 2022 ein Gewinn von 5,65 Millionen Euro, während in den ersten sechs Monaten 2021 noch ein Verlust von 6,23 Millionen entstanden ist. Aber man weiß nicht, wie lange diese Entwicklung anhält oder ob doch noch so etwas wie eine Übergewinn-Abschöpfung durch den Staat kommt. Der ZAS hat das jedenfalls im Hinterkopf. Außerdem steigen derzeit die Aufwandskosten erheblich und es ist schwierig, benötigtes Material zu bekommen. Nachdem derzeit 60 Prozent der Erlöse des ZAS aus Mülllieferungen resultieren, bemerkte der Landrat: „Wir sind jetzt mehr ein Kraftwerk. Dabei sollten wir eigentlich unsere Rücklagen abbauen.“

Das Investitionsprogramm 2023 erläuterte technischer Werksleiter Hubert Bartylla. Für die Verbrennungsanlage, Umladestationen, das Ferntransportsystem, Betriebs- und Geschäftsausstattung und Sonstiges will man 4,25 Millionen Euro ausgeben. Großprojekte der Instandhaltung summieren sich auf rund 8,74 Millionen Euro. Der Ausschuss stimmte diesem Programm zu.

Letzter Sitzungspunkt war die Vorberatung zum Entwurf der Haushaltssatzung und des Wirtschaftsplans 2023. Beides wurde ohne Diskussion genehmigt.

Der Plan enthält erstmals einen Posten zum „Brennstoffemissionshandelsgesetz“. Hier geht es um die CO2-Steuer bzw. -Abgabe, die den ZAS treffen wird, wenn die Müllverbrennung in den Zertifikatehandel einbezogen wird. Der Ansatz beläuft sich auf 4,7 Millionen Euro. Dabei rechnet man mit einer Tonne CO2 pro Tonne Müll. Das ergäbe 40 Euro pro Tonne. Robert Moser halbierte die Summe, da die Abgabe nur für fossile Stoffe erhoben wird, der Müll aber zur Hälfte aus organischem Material besteht. Im Jahr 2024 werden es sogar 60 Euro pro Tonne sein. Landrat Schneider sieht deshalb als Konsequenz eine Erhöhung der Müllgebühren und schließt auch eine Klage gegen die Abgabe nicht aus.

Mehr Müllmengen bei gleichen Anlieferpreisen

Auch die übrige Kalkulation gestaltete sich wegen der ungewissen Preisentwicklung sehr schwer. Man erwartet mehr Müllmengen bei noch gleichbleibenden Anlieferpreisen (23 Euro pro Tonne für ZAS-Mitglieder, ansonsten 63 Euro pro Tonne). Ob die hohen Einnahmen für Energie so bleiben, sei ebenfalls nicht abschätzbar. Der Ansatz für Energieerlöse liegt bei circa 15,14 Millionen Euro, was fast einer Verdreifachung des Ansatzes von 2022 entspricht.

Während die gesamten Erträge um knapp zehn Millionen auf 35,4 Millionen Euro steigen sollen, wird beim Materialaufwand wegen der allgemeinen Preissteigerungen mit Mehrausgaben von rund fünf Millionen auf 31,2 Millionen Euro gerechnet. Die Gesamtaufwendungen klettern sogar um 10,6 Millionen auf 53,1 Millionen. Unter dem Strich wäre das ein Jahresfehlbetrag von circa 17,66 Millionen Euro, der durch Abschreibungen und den Abbau von Rücklagen ausgeglichen wird.

Im Vermögensplan sind Investitionen für die Verbrennungsanlage von 2,55 Millionen und für das Ferntransportsystem von 1,7 Millionen Euro vorgesehen.

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