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Zug fährt nicht mehr

Artikel von Matthias Köpf in der Süddeutschen Zeitung am 05.10.2017

Die Strecke zwischen Marklkofen und Neumarkt wird stillgelegt

In der Müllverbrennungsanlage des Zweckverbands Abfallverwertung Südostbayern in Burgkirchen wird seit Mitte der 1990er-Jahre Tag für Tag der Restmüll von rund einer Million Menschen entsorgt, flächenmäßig umfasst das Einzugsgebiet etwa ein Zehntel Bayerns. Damit er all den Abfall nicht mit Lastwagen durchs Land karren muss, setzte er von Anfang an auf die Schiene, doch nun bricht ihm eine Strecke weg: Der private Betreiber der Bahnstrecke von Marklkofen nach Neumarkt-Sankt Veit hat kurzfristig angekündigt, den Betrieb mit diesem Freitag einzustellen. Der Restmüll aus dem Landkreis Dingolfing-Landau muss nun auf der Straße nach Burgkirchen im Landkreis Altötting gefahren werden. Für Politiker wie den SPD-Landtagsabgeordneten Günther Knoblauch zeigt sich daran eine grundsätzlich falsche Weichenstellung.

Knoblauch nennt die eigenmächtige Streckenstilllegung in einem Schreiben an das Münchner Verkehrsministerium eine "Sauerei". Denn der Betreiber, die Rhein-Sieg-Eisenbahn (RSE) mit Sitz in Bonn, habe jedes Jahr rund 130 000 Euro an Streckenentgelt kassiert und praktisch nichts davon in den Erhalt der Gleise gesteckt. Nun argumentiert die RSE, dass der Investitionsbedarf zu hoch sei und man die Strecke nicht weiter betreiben könne. Der Zweckverband wurde davon nach eigenen Angaben in einer nächtlichen E-Mail vom 26. September informiert. Inzwischen habe man ein Transportunternehmen beauftragt, die fünf bis sechs Container mit zusammen rund 100 Tonnen Müll pro Werktag mit Lastwagen die 60 Kilometer von der Umladestation Marklkofen nach Burgkirchen zu bringen. Laster habe man früher schon eingesetzt, wenn es an der Bahnstrecke Wartungsarbeiten gegeben habe.

Solche Wartungsarbeiten hat die RSE zuletzt offenbar vernachlässigt, wie ein Prüfbericht von Ende 2015 zeigt. Darin listet die Regierung von Oberbayern viele Mängel an der etwa 23 Kilometer langen Strecke auf. Die Fristen zur Beseitigung sind längst verstrichen, so dass sogar eine behördliche Stilllegung in Rede stand. Dies hat die RSE nun selbst erledigt. Dass sie die Strecke einstellen oder abgeben will, hatte sie jedoch schon vor einem Jahr offiziell bekannt gemacht. Sie selbst hatte die Strecke 2010 von der Deutschen Bahn gepachtet.

Deren Tochter DB Cargo hat den Müllverkehr bis zuletzt mit ihren Loks bedient. Die DB Netz ist immer noch Eigentümerin der Gleise, hat mit dem Stilllegungsverfahren nach eigenen Angaben aber nichts zu tun. Die Bahn hatte 2001 selbst ein solches Verfahren eingeleitet, weil sie diese Strecke nicht mehr für rentabel hielt. In der Folge war ein Autozulieferer aus Marklkofen als Kunde abgesprungen, danach gab es nur noch die Müllwaggons und hin und wieder einen mit Futtermitteln für ein Lagerhaus. Offenbar sei der Betrieb immer noch nicht auskömmlich, heißt es nun von der Bahn. Die Wirtschaftlichkeit sei aber Bedingung dafür, dass man eine Strecke betreiben könne. Dafür reiche etwas Güterverkehr kaum aus. Stattdessen müssten der Freistaat oder die Kommunen wohl wieder Personenverkehr auf der Strecke haben und zahlen wollen, was auch der SPD-Abgeordnete Knoblauch als beste Lösung ansieht. Personenzüge gibt es auf der Strecke aber schon seit 1969 nicht mehr. Ein anderes Unternehmen, die Bayernbahn aus Nördlingen, ist als potenzieller Betreiber wieder abgesprungen, weil sie inzwischen die nötigen Investitionen für zu hoch hält - und auch das Risiko, dass der Müll künftig auf der Straße bleibt.

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